Landau in der Pfalz: Offenes Haus mit langer Geschichte: Frank-Loebsches Haus in Landau als „Museum des Monats“ ausgezeichnet
Besondere Anerkennung für einen besonderen Ort: Das Frank-Loebsche Haus in Landau ist im April als „Museum des Monats“ ausgezeichnet worden. Mit dem Preis des Ministeriums für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz, der mit 1.000 Euro dotiert ist, würdigt das Land die herausragende Arbeit kleiner und mittelgroßer Museen. Die Auszeichnung ist ein starkes Signal für die Bedeutung lebendiger Erinnerungskultur vor Ort und ein Anlass, dieses besondere Stück Landauer Geschichte erneut in den Fokus zu rücken.
Bei der Preisverleihung im Frank-Loebschen Haus überreichte Staatssekretär Jürgen Hardeck die Auszeichnung im Beisein von Vertretern des städtischen Kulturbüros und des Kulturzentrums Altstadt sowie weiterer wichtiger Akteurinnen und Akteure rund um das Museum an Beigeordnete Lena Dürphold.
„Das Frank-Loebsche Haus ist schon allein durch seine eigene Geschichte ein kulturhistorisches Juwel in Landau. Es ist kein Museum im klassischen Sinn, sondern ein offenes Haus, das Ausstellung, Forschung und öffentliche Debatte miteinander verbindet. Hier wird nicht nur vermittelt, was war, sondern an diesem wichtigen Erinnerungsort stellt sich auch die Frage, was daraus folgt“, betonte Kulturstaatssekretär Jürgen Hardeck.
Beigeordnete Lena Dürphold sagte: „Wir freuen uns sehr über diese Anerkennung. Das Frank-Loebsche Haus ist ein Ort, der Begegnung und der Erinnerung auf so unterschiedliche Weise. Vielen Dank an alle Gestalterinnen und Gestalter, die hier Geschichte nicht nur bewahren, sondern aktiv in unsere Stadtgesellschaft hineinwirken lassen.“ Zugleich erinnerte sie an prägende Momente der Stadtgeschichte: „Die Wiedereinweihung des Hauses nach ausgiebiger Sanierung 1987, bei der rund 70 ehemalige jüdische Bürgerinnen und Bürger nach Landau zurückkehrten, ist ein Ereignis, bei dem ich gerne dabei gewesen wäre. Es steht bis heute für die besondere Kraft dieses Ortes.“
Das Haus in der Kaufhausgasse ist mit der Geschichte von Anne Frank verbunden: Es war im 19. Jahrhundert im Besitz ihres Urgroßvaters Zacharias Frank. Während der NS-Zeit wurde es als sogenanntes „Judenhaus“ genutzt und ist damit selbst ein eindringliches Zeugnis der Verfolgung. Seit dem Ankauf durch die Stadt im Jahr 1959 hat es sich zu einem Ort der Auseinandersetzung, des Lernens und der Begegnung entwickelt.
Stadtarchivarin Christine Kohl-Langer erinnerte an die damaligen Diskussionen in der Stadtgesellschaft über die Nutzung des Gebäudes sowie an die enge Verbindung zur Familie Frank-Loeb. „Das Frank-Loebsche Haus war nie ein fertiger Ort, sondern immer ein gemeinsamer Prozess“, so Kohl-Langer. „Es lebt vom Engagement vieler Menschen, vom Erinnern und vom stetigen Weiterdenken – genau das macht seine besondere Bedeutung für Landau aus.“
Diese Verbindung wurde erst im vergangenen Oktober erneut sichtbar, als mit Hannah-Milena und Leyb Elias Nachfahren der Familie Frank-Loeb in Landau zu Gast waren und über Erinnerung und Verantwortung in der heutigen Zeit sprachen.
Eine prägende Rolle beim Wiederaufbau des Hauses spielte auch Kurt Metzger, der letzte Bezirksrabbiner der jüdischen Gemeinde Landau. Nach seiner Flucht in die USA kehrte er nach dem Krieg immer wieder zurück und engagierte sich unermüdlich für die Sanierung. Auf seine Initiative geht unter anderem der Synagogenraum zurück; die dort ausgestellten Kultgegenstände stammen aus seinem Besitz.
Heute ist das Frank-Loebsche Haus bewusst kein klassisches Museum, sondern ein offenes Haus: Dauerausstellungen zur jüdischen Geschichte Landaus und zur Geschichte der Sinti und Roma treffen hier auf wechselnde Ausstellungen, Lesungen, Vorträge und Konzerte. Einrichtungen wie das Frank-Loeb-Institut, die Friedensakademie Rheinland-Pfalz, die Galerie Z oder das Gasthaus „Zur Blum“ machen es zu einem Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart miteinander ins Gespräch kommen.
Die Auszeichnung als „Museum des Monats“ würdigt genau diesen Ansatz – ein Haus, das Geschichte nicht nur erzählt, sondern Fragen stellt und den Dialog sucht.
Das Frank-Loebsche Haus in der Kaufhausgasse 9 ist dienstags bis donnerstags von 10 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 17 Uhr geöffnet, freitags bis sonntags von 11 bis 13 Uhr. Montags und an Feiertagen bleibt das Haus geschlossen. Der Eintritt ist frei.
Ein ausführliches Porträt des Hauses als „Museum des Monats“ gibt es online unter www.museumsportal-rlp.de.
| Quelle: Stadt Landau in der Pfalz
